Dozententeam

Dem Diabetes und der Parodontitis die Zähne zeigen

Knapp hundert Ärzte aus Heidelberg und dem Rhein-Neckar-Kreis kamen Mitte März ins Heidelberger St. Josefskrankenhaus, um mehr über ein bisher medizinisch kaum beachtetes Phänomen zu erfahren. Die Fortbildungsveranstaltung „Diabetes und Parodontitis“ brachte sowohl Allgemein- als auch Zahnmediziner zum Erfahrungsaustausch zusammen.

Priv. Doz. Dr. Erhard. Siegel, Chefarzt am St. Josefskrankenhaus für Gastroenterologie, Diabetologie und Ernährungsmedizin, und Prof. Dr. Peter Eickholz vom Frankfurter Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde beleuchteten aus ihrer jeweiligen Perspektive heraus das Thema und beantworteten in einer abschließenden Diskussion zahlreiche Fragen.

Dr. Siegel erläuterte zunächst die grundlegende Symptomatik des Diabetes. Er wies vor allem auf die komplexen Auswirkungen der Krankheit hin, die sich nicht nur in Blutzuckerschwankungen zeigen, sondern auch in einer veränderten Ausschüttung bestimmter Hormone im Körper eines Patienten. Diese Situation begünstigt das Eintreten weiterer Erkrankungen. So zeigen Studien, dass Menschen mit Diabetes ein dreifach erhöhtes Risiko haben, Parodontitis zu bekommen. Sie weisen zudem eine beschleunigte Entwicklung parodontaler Erkrankungen auf und reagieren weniger gut auf deren Behandlung als gesunde Patienten.

Diesen Aspekt griff auch Prof. Dr. Eickholz auf und erklärte den physiologischen Effekt einer ausgeprägten Parodontitis. Diese ist gekennzeichnet durch offene Wunden im Mundraum, genauer im Zwischenraum zwischen Zahn und Zahnfleisch. Dadurch ist der Körper in permanenter Alarmbereitschaft und schüttet entzündungshemmende Hormone aus, die sich wiederum auf den Blutzuckerspiegel auswirken. Die Folge ist eine Verschlechterung des Langzeitblutzuckerwertes HbA1c. Umgekehrt berichtete Prof. Eickholz von Patienten, die durch eine erfolgreiche Behandlung der Parodontitis zusätzlich sehr positive Effekte auf ihren Blutzuckerspiegel erzielen konnten.

Als Resümee des Abends zeigten die beiden Experten, dass es für internistische Ärzte wichtig ist, den Zahnzustand ihrer Patienten zu kennen, und dass Zahnärzte über chronische Erkrankungen ihrer Patienten, insbesondere Diabetes, informiert sein sollten. Eine Therapie in einem der Fachbereiche hat meist deutliche Auswirkungen auf den anderen. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit sei deshalb wünschenswert. (ckl)

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Letzte Aktualisierung

16. November 2017